Review: Resident Evil 7 – Zurück zu den Wurzeln?

Spoilewarnung: Der Test ist möglichst spoilerfrei geschrieben, wer sich allerdings rein gar nichts verraten lassen möchte (vor allem durch Screenshots) der scrollt bitte runter bis zum Fazit, welches ohne Weiteres gelesen werden kann. 

Letztes Jahr wurde der neue Teil der Resident Evil-Reihe enthüllt und um zu beweisen, dass man da ein heißen Eisen im Ofen hat, haben die Entwickler direkt eine Demoversion des Spiels verfügbar gemacht. Doch was ist das? Resident Evil in der Ego-Perspektive? Und gleichzeitig versprechen die Entwickler, dass nun alles wieder so werden soll wie früher? Gerade als Fan der Reihe war ich mehr als skeptisch und nicht sicher, ob mich das Spiel zu fürchten lehrt und damit zu unterhalten weiß oder ob es spielerisch gesehen ein einziger Schrecken ist. 

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Hänsel sucht Gretel und landet im Irrenhaus

Das Spiel beginnt mit einer eindeutigen Nachricht von Mia Winters, der Ehefrau des Hauptprotagonisten und zwar: „Such bloß nicht nach mir!“ Anstatt sich jetzt entspannt zurück zu lehnen, auf die Worte  zu vertrauen und lieber Popcorn in die Mikrowelle und Netflix anzuschmeissen, entscheidet sich der Hauptcharakter Ethan Winters dazu, das Ganze zu ignorieren und sie zu suchen. Eine offensichtlich ominöse E-Mail erledigt den Rest und schon macht sich Ethan auf, seine Frau wieder nach Hause zu bringen. Jeder gute Horrorfilm beginnt damit, dass Warnungen ignoriert werden, weil irgendjemand denkt, er weiß es besser. Nach einem beherzten „Ist der blöd?“ kann man als Spieler ein Kreuz beim Horror-Bingo setzen und schon mal das Siegerlächeln üben.

Die Schwester wird auch nicht einfach gefunden und wieder nach Hause gebracht wie es vielleicht wünschenswert wäre. Schneller als einem lieb ist, befindet man sich in einem Haus, bei dem es eigentlich schon beim ersten Schritt in die Bruchbude klar sein dürfte, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Anstatt sich umzudrehen und doch noch nach Hause zu fahren und den Abend sicherlich entspannter vor der Glotze zu verbringen, darf man das Haus weiter erkunden, ob man nun möchte oder nicht. Und der nächste Punkt beim Horror-Bingo ist abgehakt. Und damit auch eine Reise in einen Albtraum, bei dem es kein Rückfahrtticket zu geben scheint, dafür ein überfüllter Horror-Bingo-Schein.

Endlich wieder Resident Evil?

Schon seit Jahren beschweren sich eingefleischte Fans der Serie darüber, dass sich Resident Evil immer mehr davon entfernt, was es einst war: Ein Horror-Spiel. Während man die Action in Resident Evil 4 noch als willkommene Abwechslung begrüßte, wurde es mit den nachfolgenden Titeln immer mehr sinnloses Geballer anstatt ein gruseliger und schockierender Kampf ums Überleben. Mit Resident Evil 6 kam für Horrorfans die Krönung der Enttäuschung und  dem eindeutigen Beweis,  dass Horror und Resident Evil nicht mehr in einem Satz genannt werden sollten.

Die Ankündigung von Resident Evil 7 kam mit dem Versprechen, alles anders machen zu wollen, um die Fans wieder glücklich zu stimmen. Es geht (mal wieder) zurück zu den Wurzeln. Durch die Vorgängerteile litt  die Glaubwürdigkeit dieser Aussage und an den Entwicklern.

Auf den ersten Blick hat es Resident Evil 7 auch sehr schwer, eingefleischte Fans zu überzeugen: Kein bekannter Hauptprotagonist, serienuntypische Egoperspektive, keine Zombies oder sonstige, eindeutige Bezüge zu den Vorgängerteilen. Nur der Name ist der Gleiche. Oh, Capcom..was habt ihr euch dabei gedacht? Dachte ich und wurde eines besseren belehrt.

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Nach einer Weile mit Resident Evil 7 lösten sich so langsam aber sicher die Zweifel in Luft auf: Das Inventar ist wie früher stark limitiert. Man muss sich genau überlegen, welche Materialien man mit auf den Weg nimmt, wie man diese am besten schachteln kann oder auf was eventuell verzichtet werden kann, um in einer Aufbewahrungsbox verstaut zu werden. In früheren Teilen hat man mit der Organisation seines Inventars einige Zeit verbracht, um für kommende Überlebenkämpfe bestens gewappnet zu sein. Resident Evil 7 holt diese Tradition wieder aus der verstaubten Survival-Horror-Schatzkiste und entdeckt dabei auch die festgelegten Speicherpunkte von damals.  Die Bequemlichkeit, überall speichern zu können, ist nicht mehr gegeben. Sollte dies für manche als ein Schritt zurück in die Vergangenheit gedeutet werden, dann…ist es das auch. Und es ist verdammt gut so.

Außerdem gibt es wieder Rätsel, welche nicht mehr allzu offensichtlich und idiotensicher dem Spieler an den Kopf geklatscht werden, sondern tatsächlich Kombinationsgabe erfordern. Unmöglich sind diese Rätsel allerdings nie und nach ein bisschen Gehirnjogging dürfte jeder an des Rätsels Lösung gelangen. Aber man darf bei manchen Rätseln nicht unbedingt erwarten, dass sie sonderlich realitätsnah sind. Jedenfalls ist es zu bezweifeln, dass sich jemand zur Sicherung bestimmter Wertgegenstände ein Podest mit einem Projektor aufstellen lässt, bei dem man eine Holzfigur so drehen muss, damit sie einen Vogel ergibt. Da fragt sich sogar Ethan, wer sich sowas ausdenkt. Selbstironisch sind die Entwickler ja, das muss man ihnen lassen.

Bestimmte Abschnitte im Haus dürften auch Kennern der Serie eine Freude bereiten, weil sie zwar anders aussehen, aber doch wieder so vertraut. Ich erwähne an dieser Stelle nur mal den Begriff „Eingangshalle“ und lasse diesen auf euch wirken.

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Da werden doch Erinnerungen wach, oder?
Brutal, brutaler – Resident Evil!

Resident Evil 7 ist absolut kein Spiel für schwache Nerven und schon gar nicht für Kinder. Die Gewaltdarstellungen sind explizit und heftig, doch auch der unterschwellige Psychoterror ist nicht zu verachten und macht sogar einen großen Reiz davon aus. Oft weiß man nicht, was einen an der nächsten Ecke erwartet. Manchmal bewegt sich etwas, ein kleines Detail verändert sich oder Leichen verschwinden plötzlich. Nie wirkt es aufgesetzt, sondern gut durchdacht. Durch solche Psychospielchen kombiniert mit einer ständigen Munitionsknappheit, weiß man nie, ob man den nächsten Angriff überhaupt überlebt oder dabei sein Leben verliert. Oder auch „nur“den Fuß. Sollte euch dieser mal abhanden kommen: Kein Problem! Schüttet euch einfach Arznei über dem Fußstumpen und schon ist wieder alles an seinem Fleck. Fast wie im echten Leben, nicht wahr?

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Faustregel Nr. 1 in Resident Evil 7: Nur nicht den Kopf verlieren!

Willkommen in der Familie

Es gibt bestimmte Zutaten, die so gut wie immer auf einem Rezept für ein gutes Videospiel stehen und dabei essentiell sind. Dazu gehören auch Zwischen – oder Endgegnerkämpfe, welche natürlich auch in Resident Evil 7 nicht fehlen dürfen. Dabei präsentieren sich diese als absolute Höhepunkte, die herausfordernd, abwechslungsreich und einprägsam sind.

Die Hauptgegner sind dabei die Mitglieder der Familie Baker, bei denen sich die Veranlagung, ein Psychopath zu sein, vererbt zu haben scheint. Auch wenn sich ein Familienmitglied verrückter als das andere präsentiert, unterscheiden sich diese und bleiben daher unberechenbar.

Damit man die Gegner nicht mit bloßen Händen bekämpfen muss, gibt es eine Vielzahl an Waffen, welche man im Spielverlauf in sein  Inventar aufnehmen kann. Doch sollte man sich nicht zu früh über die Durchschlagskraft einer Schrotflinte erfreuen, denn auch diese braucht Munition. Und die ist in Resident Evil 7 Mangelware. Jeder Schuss will wohlüberlegt sein.

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Habe ich da nicht was gehört?

Grafisch gesehen sieht der Titel sehr gut aus, auch wenn sich gelegentlich mal deutliches Kantenflimmern bemerkbar macht. Davon abgesehen macht Resident Evil 7 eine bemerkenswerte Figur mit vielen Details, die man in einer ruhigen Minute (wenn es diese mal gibt) begutachten kann. Die Stimmung ist düster und so ist es kaum verwunderlich, dass auch das Bild des Öfteren mal im Dunkeln versinkt und für ein atmosphärisch beklemmendes Gefühl sorgt.

Besonders gut ist der Sound: In bedrohlichen Situationen begleitet die musikalische Untermalung des Spiels den ohnehin schon stark pochenden, eigenen Herzschlag und bringt diesen auf ein gefühltes Maximum. Immer wieder bleibt man stehen und fragt sich, ob es die eigenen Fußstapfen sind, die man da hört oder ob es sich um einen sich nähernden Gegner handelt.  Und überhaupt – was war das gerade für ein Geräusch?
Technisch gesehen macht Resident Evil 7 also fast alles richtig.

Resident Evil in VR

Leider hatte ich zum Zeitpunkt des Tests keine PlayStation VR zur Verfügung und kann deshalb leider nichts zum VR-Erlebnis sagen. Sobald das Spiel mit der VR-Brille angespielt wurde, wird dieser Absatz dementsprechend aktualisiert.

Fazit: Alle Zweifel, die ich im Vorfeld hatte, sind weg. Resident Evil 7 ist endlich wieder Horror und es erinnert einen in vielerlei Hinsicht an die alten, guten Teile, deren Qualität man als Fan immer mehr schmerzlich vermisst hat. Resident Evil 7 setzt die Messlatte schon zu Beginn des Videospieljahres 2017 extrem hoch und macht es anderen Vertretern des Horror-Genres sehr schwer. Resident Evil ist definitiv  zurück !

 

 

Ein Gedanke zu “Review: Resident Evil 7 – Zurück zu den Wurzeln?

  1. Freut mich sehr zu lesen, dass sich meine Vorahnungen bewahrheiten. Ich dachte mir schon nach der Demo, dass das was ganz großes wird und klassisch Resident Evil sein könnte. Ich bin auch Fan der ersten Stunde und habe immer mehr das Interesse verloren, weil die zahlreichen Spinoffs zumeist lieblos waren und die Hauptspiele (insbesondere 5 und 6) einfach nicht mehr in die Serie zu passen schienen. Umso mehr freue ich mich, RE7 irgendwann mal durchzuspielen, wenn Zelda und NieR abgeschlossen sind. 😉 Übrigens: schön zu lesen und spannend geschrieben. 🙂

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