Die Kommentarexperten

In der letzten Zeit scheinen sich die schlechten Nachrichten zu häufen oder zumindest wirken diese präsenter, weil schlechte Neuigkeiten immer schwerer und lauter wiegen als solche, die Menschen auf eine bessere Welt hoffen lassen. Mit einem Blick auf die Kommentare mag dann auch der letzten Gutmensch in Frage stellen, ob die Menschheit noch ganz bei Trost ist.

Gerade in der letzten Woche konnte man sie unter jeder Kommentarspalte finden: Richter, Psychologen und Ermittler der Mordkommision mit ausgeprägten Sinn nach Gewaltfantasien. Jeder hat etwas zu sagen, jeder weiß alles und vor allem ist sich jeder sicher, dass seine Meinung die einzig wahre ist. Und ich sitze vor meinem Bildschirm und habe die Grausamkeit schwarz auf weiß, nur bin ich mir dann gar nicht mehr so sicher, wer hier das größte Monster von allen ist, welches sich bitte nie unter meinem Bett verkriechen sollte.

Sätze wie „Der gehört hingerichtet!“ oder „Hoffentlich wird er im Knast jeden Tag vergewaltigt bis er verreckt!“ sind noch die nettesten Dinge, welche man dort lesen kann und einen „Gefällt mir“-Angabenwettbewerb veranstalten. Unter einem Artikel eines Mörders findet man Vergewaltiger, Bandenmitglieder und unbarmherzige Mörder, welche alle scheinbar eine langjährige Ausbildung als Besserwisser genossen haben, nur um jetzt nach dem Besserwisser-Masterstudium jeden an seiner Meinung teilhaben zu lassen. Manch einer verurteilt einen grausamen Mörder, schwingt dabei die Richterkeule und beschreibt bis ins Detail „wie der Schädel von diesem W****er zerplatzt“.

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Quelle: http://www.randomInsights.net

Zu politischen Beiträgen versammeln sich die Wutbürger, die entweder der Bundeskanzlerin oder den Flüchtlingen im Wechsel die Schuld daran geben, dass mal wieder alles in unserem Land schief läuft, die Kriminalität steigt, unser Volk in Arbeitslosigkeit versinkt oder die Banane auch gar nicht mehr so krumm wie früher ist. Sollte einem der geteilte Artikel nicht gefallen, so schreibt man einfach „Fake-News!“ darunter und fühlt sich wie das uneheliche, aber doch geliebte Kind von Donald Trump.

Es ist ein Zustand, der mir schon seit längerer Zeit auffällt und doch etwas, das mich immer wieder überrascht und schockiert. Ein Zustand, der mich darüber philosophieren lässt, ob all diese Meinungen auf das Internet losgelassen werden, weil man sich dort hinter einem gewissen Schleier der Anonymität verstecken kann. Oder auch deshalb, weil man im Internet andere Meinungen nicht akzeptieren muss, sondern sogar blockieren kann und nur die Kommentaroren um sich versammelt, die sich ebenfalls menschenverachtend verhalten. Sozusagen eine Wut-Versammlung, in der sich jeder mit so viel Hass umhüllen kann, bis er sich in Rage geredet glücklich ins Albtraumland verabschieden kann. Nur um am Morgen aufzuwachen und weiterzumachen. Irgendwas ist schließlich immer.

Wieso sind die guten Nachrichten nicht mindestens so polarisierend wie die, in denen sich die Besserwisser-Studenten tummeln? Vielleicht deshalb, weil dort kein „Ich finde alles beschissener als du!“-Schwanzvergleich stattfindet, sondern man sich tatsächlich mit dem Glück und der Schönheit dieser Erde befassen muss.

GetreidefeldHandi

Denn diese Welt ist schön, trotz all den schlechten Dingen, die uns täglich an den Kopf geworfen werden. Manchmal so hart, dass wir den Blick dafür verlieren, dass die schönen Dinge oft direkt vor unserer Nase oder Haustür sind. Die ausländischen Nachbarskinder, welche draußen Ball spielen können entweder solche sein, die den Ball bestimmt in UNSER Auto oder Fenster schießen, die laut, frech oder unverschämt sind, weil eben Kinder mit einer solchen Nationalität grundsätzlich so sind. Oder es können solche sein, welche sich im Freien vergnügen, Spaß haben und… glücklich sind. Und bei denen es vollkommen egal ist, welcher Nationalität sie angehören.

Es kommt immer darauf an, wie wir selbst auf die Dinge blicken. Wollen wir eine glückliche Welt, dann sollten wir vielleicht damit anfangen, weniger darüber zu spekulieren, welche Strafe für einen Mörder die gerechte ist sondern eher Beileid für die Opfer und Familien ausdrücken. Das Handy ausschalten und rausgehen. Die Nachbarskinder nicht böse anschauen, sondern anlächeln und sich daran erfreuen, dass sie glücklich sind. Merken, dass die Sonne scheint. Und was passiert? Man fühlt sich plötzlich gut. Actio est Reactio. 

 

Ein Gedanke zu “Die Kommentarexperten

  1. So wahr!!! Menschen glauben immer dass Fremde ihnen böses wollen, vor allem solche, die eben anders aussehen als man selbst. Das ist so traurig! Dabei sind wir alle Menschen. Es gibt mehr normale, nette, freundliche Menschen, die einem eher helfen würden als einem wehzutun. Die Angst lässt uns so etwas leider nie wirklich sehen…

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