Buchrezension: Ein feines Gespür für Schönheit

Ein feines Gespür für Schönheit war eines dieser Bücher, welche mir beim Stöbern in der Buchhandlung sofort ins Auge gestochen sind. Grund hierfür ist die Wahl des Covers, welches vielen Menschen bereits bekannt sein dürfte, da es sich dabei um ein weltbekanntes Meisterwerk handelt. „Die große Welle vor Kanagawa“ von Katsushika Hokusai, welches der bekannteste Farbholzschnitt der von Hokusai gefertigten Bilderserie „36 Ansichten des Berges Fuji“ (1829 bis 1833) darstellt. Ich selbst liebe dieses Bild und kann die weltweite Bekanntheit und die Begeisterung über dieses Bild voll und ganz nachvollziehen. Einen besseren Blickfang hätte der Autor J.David Simons nicht wählen können und wer das Buch nach dem Durchlesen zuschlägt und auf das Cover blickt, wird merken, dass „Die große Welle vor Kanagawa“ mehr in die Geschichte des Schriftstellers Edward verwoben ist als man zuerst annehmen mag.

Im Buch selbst begleitet man Edward in zwei verschiedenen Zeitebenen seines Lebens sowie an zwei verschiedenen Orten auf dieser Welt. Da wäre zum einen sein Leben in England, zum anderen im exotischen Japan. Die Kulturen sind so verschieden wie sie nur sein können und im autobiografischen Stil begleitet man den Hauptprotagonisten durch ein Leben, in dem sein Herz für beide Kulturen zu schlagen scheint, er sich aber immer auf einer Gratwanderung befindet, in welcher er sein Herz verlieren und sich hingeben möchte. England wirkt dabei unterschwellig wie ein Ort, von dem er sich ein Leben lang zu flüchten scheint, aber dennoch fest daran gebunden ist und sich nur für wenige glückliche Momente seines Lebens entreissen kann. Diesen Zufluchtsort findet er in Japan. Hier sprudelt seine Kreativität und gebärt seinen Erstlingsroman „ Das Wasserrad“. Einen Roman, in dem er sich kritisch über die grausamen Vergehen der Amerikaner gegenüber den Japanern im zweiten Weltkrieg äußert und es dabei im Deckmantel einer Liebesgeschichte zu umhüllen versucht. Ein gewagtes Thema für einen Debütroman und der Erfolg dessen erfährt Edward nur über Umwege. Nichtsdestotrotz mausert sich der Roman zu einem Bestseller, welcher ihn ein Leben lang begleitet.

Sein Debütroman schlägt hohe Wellen, wie die, die der Künstler Hokusai auf seinem Meisterwerk verewigt hatte. Wellen, in denen er sich manchmal nach oben treiben ließ und manchmal dabei ertappte, davon überwältigt zu werden, zu ertrinken und den Kampf aufzugeben, um sich den Flutmassen hinzugeben.Japan fühlt sich auch für den Leser als die bessere Wahl zwischen den beiden grundlegend verschiedenen Leben und Kulturen an. Hier ruht das Glück Edwards, seine kreative Ader und auch eine Liebe, die nicht vielversprechender sein könnte. Doch er macht eine falsche Entscheidung, wie man sie eben manchmal im Leben trifft und erschafft sich dadurch sein eigenes Leid, welches er selbst durch weitere Fehlentscheidungen scheinbar absichtlich anhäufen möchte. Der gealterte Schriftsteller findet sich im Alter wieder am Ort, an dem er das Glück gefunden, aber leichtsinnig weggeworfen hatte.

Der Schreibstil ist flüssig und die Beschreibungen geben einem die Möglichkeit, sich Bilder der Geschehnisse anzufertigen und mit den kleinen Details, zum Beispiel wenn der Autor von den Gepflogenheiten der japanischen Kultur schreibt, auszumalen. Das Buch selbst habe ich mir kurz vor einem Japanurlaub gekauft und konnte die ersten Kapitel nutzen, um die Wartezeit zu überbrücken. Auch im Urlaub selbst haben mich einige Kapitel begleitet und mich noch mehr in die Geschichte, aber auch in Japan selbst einzutauchen. Der Urlaub war allerdings erlebnisreich und deswegen wurde das Buch von mir nach dem Japanurlaub durchgelesen und siehe da: Auch hier gab mir das Buch das Gefühl, ich könnte zusammen mit dem Autor die Reise nochmal Revue passieren lassen. Vielleicht ist das Ganze nur, weil meine Reise nach und in Japan so intensiv war und ich mich Hals über Kopf in das Land verliebt habe. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass J.David Simons einen Roman erschaffen hat, der für alle diejenigen, die ein feines Gespür für Schönheit zu haben scheinen, eines Blickes würdig ist.

Fazit:

„Ein feines Gespür für Schönheit“ berichtet über das Leben eines britischen Schriftstellers, dessen Herz auf zwei verschiedenen Kontinenten schlägt und doch gebrochen ist und dabei beweist, dass falsche Entscheidungen überwältigende Wellen schlagen. Es ist aber auch ein Liebesbrief an die Exotik eines fernen Landes und die lebenslange Suche nach Glück- schön verpackt in Form dieses Buches. Japanophilen Menschen kann ich dieses Buch sowieso nur ans Herz legen und allen anderen empfehle ich es wärmstens.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s