Buchrezension: Miss Bensons Reise von Rachel Joyce

Rachel Joyce ist bekannt für emotionale Geschichten, in der Charaktere einen Platz finden, welche auf dem ersten Blick unscheinbar wirken. Im wahren Leben gibt es Geschichten, die das Leben zwar schreibt, der Mehrheit aber verborgen bleiben. In den Büchern von Rachel Joyce allerdings werden diese Lebensreisen festgehalten und auf wundervolle Art und Weise portraitiert und somit ein Gehör verschafft. In „Miss Bensons Reise“ schickt die Autorin den Lesern erneut auf einen Weg, der zuvor niemanden so klar war und am Ende doch alles anders wird als geplant. 

Der Roman handelt von Margery Benson, einer Frau im fortgeschrittenen Alter, dessen innigster Lebenswunsch daraus besteht, dem Mythos eines goldenen Käfers nachzueifern, welcher sie schon seit ihrer Kindheit verfolgt. Von dramatischen Ereignissen beeinflusst, schwindet ihr Ehrgeiz und der Mut, eine Expedition zur Suche des goldenen Käfers zu beginnen. Stattdessen führt sie ein durchschnittliches Leben, welches sie in keinster Weise erfüllt, sondern vielleicht sogar hinter ihrem Potenzial verstecken lässt. Doch eines Tages und ein weiteres, einschneidendes Erlebnis später entschließt sie sich, alles zurückzulassen und ihrem Traum nachzueifern. So mutig sich dies auch anhört und so vielversprechend es sich anhören mag, so ist sie immer mit Zweifeln geplagt, welche sich mal mehr, mal weniger Gehör verschaffen. Nichtsdestotrotz hält sie an ihrem Plan fest und plant ihre Expedition zur Suche nach dem goldenen Käfer oder auch ihrem größten Lebenstraum, an den sie nun alle Hoffnungen knüpft. Durch eine Zeitungsannonce findet sie dabei eine Assistentin, welche zwar nicht exakt das ist, was sie sich vorgestellt hat, aber letztendlich das ist, was sie braucht. Diese Assistentin ist Enid, deren Leben auch nicht so zu verlaufen mag, wie sie es sich vorstellt und neben einem tiefen Wunsch auch ein dunkles Geheimnis verbirgt, welches die beiden Frauen die ganze Reise über begleiten wird. 

„Miss Bensons Reise“ liefert genau das, was der Buchtitel verspricht.: Eine Reise. Zum tiefsten Inneren eines jeden von uns und unentdeckten Orten der Welt, aber auch unserer Seele und sogar der Psyche. Zu einer Freundschaft, die bei äußerer Betrachtung nie hätte zustande kommen können und wahrscheinlich auch nie zustande gekommen wäre, wären die Umstände nicht so abenteuerlich und aufregend gewesen. Doch vieles im Leben läuft nicht so, wie man es plant und diese „Fehlschläge“ führen unter anderem auch zu dieser einzigartigen und engen Freundschaft, welche den Blick auf das wirklich Wichtige lenkt. 

Wer frühere Werke von Rachel Joyce wie z.B. „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ kennt, wird vielleicht die tiefgreifenden Emotionen vermissen, bekommt im Austausch dafür allerdings eine spannendes Abenteuerbuch mit Höhen und Tiefen mit einer Spur Krimi. Leider auch einem nicht ganz zufrieden stellenden Ende, welches manchen Erzählstrang in Frage stellen lässt. Alles in allem nicht das beste Buch der Autorin, aber dennoch ist es wert, die Reise mit Rachel Joyce und ihren liebevoll ausgearbeiteten Charakteren anzutreten und mitgenommen zu werden.

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