Kurz & knapp: Filmreview „Minari“

Mit Vorschusslorbeeren wird Minari regelrecht überschüttet und galt bereits im letzten Jahr als Favorit vieler Filmkritiker und Zuschauern gleichermaßen. Der US-amerikanische Film Minari vom Regisseur Lee Isaac Chung gewann bisher über 60 Film- bzw. Festivalpreise und wurde für mehr als 150 weitere nominiert. Das sind gewaltige Fußstapfen, welche die Erwartungshaltungen der Zuschauer füllen müssen. Nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Oder?

Auf den ersten Blick ist Minari ein Film über eine koreanische Einwandererfamilie, die den amerikanischen Traum für sich erkämpfen möchte. Schnell kristallisiert sich aber heraus, dass Minari viel mehr als das ist. Am bemerkenswertesten dabei ist, dass Minari die naheliegenden Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt vollkommen umschifft und die berührende Geschichte einer Familie erzählt, die einen am Ende zufrieden und glücklich auf die Credits blicken lässt. Minari ist ein bewegender Film, dessen Charaktere glücklicherweise mit viel Tiefgang gesegnet wurden. Dadurch fühlt man sich diesen sofort nah und kann sich in ihre jeweilige Situation einfühlen. Im Laufe des Filmes nimmt der tragische Anteil bedeutend hinzu, wird dabei aber nie unangenehm sentimental. Jedoch leidet man als Zuschauer in rührenden Szenen mit, während man einige Momente zuvor noch herzhaft auflachen musste. Ein mutiger Spagat zwischen den Emotionen, der hier aber überaus gelungen ist und das filmische Können aller Beteiligten beweist.

Erwähnenswert ist, der Film hauptsächlich in der koreanischen Sprache mit Untertiteln erzählt wird. Für den ein oder anderen mag dies als störend empfunden werden, doch der Film erhält dadurch den intimen Einblick in die ausländische Familie aufrecht. Es ist authentisch und viele Szenen würden bedeutend an Ausdrucksstärke verlieren, wenn diese unnötigerweise synchronisiert worden wären bzw. auf Englisch eingesprochen.

Die Behutsamkeit, mit der den Charakteren und der Geschichte eine Seele eingehaucht wird, ist beispiellos. Vor allem die Rolle der Großmutter ist herausragend und überrascht mit einer Vielschichtigkeit, die man so nicht erwartet. Minari ist ein Film für jeden, weil er durch die vielfältigen Charaktere und deren Beweggründe eine breite Masse anspricht, dabei aber nicht die berührende Geschichte aus dem Blick verliert. Ein liebevoller Film, der für das erste, erwähnenswerte Filmhighlight in diesem Jahr sorgt. Der Film erscheint in Deutschland voraussichtlich am 8. April 2021.Wärmste Empfehlung meinerseits, viel Spaß damit!

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