Kurz & Knapp: Filmreview „The Father“

The Father erzählt die Geschichte von Anthony, einem alternden Mann, der aufgrund seiner Demenzerkrankung zunehmend den Bezug zur Realität verliert, geliebte Menschen nicht mehr erkennt und seine eigenen Gedanken in Frage stellt. 

„I feel as if I’m losing all my leaves.“

Anthony Hopkins in „The Father“

Regisseur Florian Zeller zeigt mit diesem liebevollen Portrait die einzigartige Kraft des Filmes, welche die Erkrankung des Hauptcharakters so einfühlsam und nachvollziehbar erzählt, wie es bisher kein anderer Film zuvor geschaffen hat. Eine Kombination eines Dramas mit Elementen, die man sonst nur aus Thrillern oder Mystery kennt, ist außergewöhnlich, aber ein ausgezeichnetes Stilmittel, um dem Zuschauer die Thematik greifbar zu machen. Denn es versetzt den Zuschauer in die verwirrende Verstand eines an Demenz erkrankten Menschen und erschafft Fragezeichen, die sich im Gesicht des Hauptcharakters Anthony widerspiegeln. Die subjektive Betrachtungsweise spielt dabei mit dem Zuschauer, umschmeichelt ihn und wirkt überraschend manipulativ. 

©TOBIS FILM

Besonders erwähnenswert ist hierbei die grandiose und exzellente Darbietung von Anthony Hopkins. Jegliche Szene hat die notwendige Ausdrucksstärke, welche es für einen solchen Film verlangt. Hopkins hangelt sich von einem denkwürdigen Moment zum nächsten, nur um am Ende des Filmes in einer Szene vollkommen aufzugehen und in einem ergreifenden Dialog selbst Herzen aus Stein zu erweichen, nur um diese dann zu brechen. Atemberaubend. 

Doch nicht nur die Krankheit selbst wird spürbar, auch die Herausforderungen für Familienangehörige werden grandios in Szene gesetzt und vor allem durch Olivia Colman fantastisch umgesetzt. Durch ihre einzigartige Mimik schafft es Colman, den Schmerz, die Wut, Trauer, aber auch die schönen, wenn auch kurzen Momente der Glückseligkeit auszudrücken, wie es keine Worte der Welt könnten. Wenn sie spricht, dann erwarten den Zuschauer einfühlsame, authentische Dialoge, welche jederzeit die Tragik der jeweiligen Situation mitschwingen lassen. Nicht umsonst ist Olivia Colman für mich eine der besten Schauspielerinnen, die Hollywood momentan zu bieten hat. Ihre Darbietung in The Father ist Beweis genug. 

©TOBIS FILM

Die Handlung ist hauptsächlich auf die Wohnung reduziert, welche man als Symbolik für den eingeschränkten Radius, in dem sich alle Beteiligten befinden, interpretieren kann. Oder auch dem Ursprung des Filmes, nämlich dem Theaterstück, auf dessen Grundlage der Film basiert. Nichtsdestotrotz sorgen eindrucksvolle Kameraübergänge und ausdrucksstarke Szenenbilder für Erfrischung, zu keiner Zeit wird es eintönig, sondern vielmehr zweckmäßig. Ohne viel vorweg zu nehmen: Die Wohnung selbst ist ein wichtiger Indikator für den Geisteszustand von Anthony und bedient sich den zuvor erwähnten, genialen Stilmitteln, welche die Geschichte spannend, aber auch nachvollziehbar gestalten. 

The Father ist ein außergewöhnlicher Film mit einer tragischen Dramatik, die sich jedoch nie aufgesetzt anfühlt, sondern ehrlich und authentisch. Anthony Hopkins und Olivia Colman brillieren in starken Rollen, die ihresgleichen suchen. Die Erkrankung eines Menschen an Demenz wurde noch nie so einfühlsam, aber auch differenziert dargestellt wie in diesem Regiedebüt von Florian Zeller. Kinostart in Deutschland ist für den 13. Mai 2021 geplant. Wenn es soweit ist, unbedingt anschauen!

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