Buchrezension: Der erste letzte Tag von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek ist einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Bekannt ist er für seine spannenden Thriller, in denen immer mit einer gehörigen Portion Mord, Todschlag und Leichen zu rechnen ist. Im letzten Jahr erschien „Der Heimweg“ und war nicht nur ein Bestseller, sondern für viele auch das dunkelste Werk aus der Feder des Erfolgsautors. Kann „Der erste letzte Tag“ dies noch steigern? Hinsichtlich der Grausamkeit: Sicherlich nicht. Das liegt aber nicht daran, dass Fitzek am Höhepunkt seiner Karriere angekommen ist, sondern eher daran, was das Cover bereits verrät: Kein Thriller. Fitzek begibt sich also auf (für ihn) unbekanntes Terrain – ob das funktionieren kann? 

Ein Roadtrip der ist lustig…

Jeder kennt es: Manchmal läuft nichts nach Plan und wenn etwas nicht nach Plan verläuft, dann richtig und mit Vollgas. Livius Reimer, der Hauptprotagonist des Romans hat genau solch einen Tag erwischt, an dem nichts funktioniert. Nachdem sein Flug gestrichen wurde, teilt er sich notgedrungen den letzten, verfügbaren Mietwagen mit einer unbekannten Frau. Zu allem Überfluss ist diese redselig und innerhalb kürzester Zeit lädt sie Livius auf ein ungewöhnliches Gedankenexperiment ein: Was, wenn dieser Tag der letzte der beiden auf dieser Erde wäre? Die Leiterin des Experiments hört auf den Namen Lea und ist alles, was Livius nicht ist: Unkonventionell, laut, verrückt. Schnell bereut Livius, (mehr oder weniger freiwillig) bei dem Experiment zugestimmt zu haben. Denn die abenteuerliche Idee bringt mehr Probleme mit sich als diese löst – und doch entfaltet sich im Laufe der Geschichte immer mehr der Verdacht, dass sich durch diesen unkonventionellen Blickwinkel Dinge offenbaren, die bisher verborgen blieben. Livius beginnt tatsächlich, sein eigenes Leben zu hinterfragen. Sicher ist: Am Ende sind alle Beteiligten andere Menschen als zu Beginn der Reise.

…ein Roadtrip der ist okay.

Die Ausgangslage des Romans gab es in den letzten Jahren immer wieder in abgeänderter Form: Zwei unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander, der eine ist ein ruhiger, verschlossener Mensch, der den gesellschaftlichen Normen strikt zu folgen scheint, während das Gegenstück sich komplett anders verhält und mit Konventionen bricht. Normal trifft auf Verrücktheit. „Der erste letzte Tag“ ist einer von diesen Romanen. Leider aber auch eher einer der schlechteren. Der Humor ist mittelmäßig und wirkt oft erzwungen komisch. Die Beweggründe und daraus resultierenden Handlungen der Charaktere sind ebenfalls nur bedingt nachvollziehbar und hinterlassen den Eindruck, nur an der Oberfläche zu kratzen statt wirklich in die Tiefe zu gehen. Wenn die Geschichte emotional an Fahrt auf nimmt, so ist das auch nie besonders ergreifend oder vielschichtig. Letztendlich bleibt eine nette, vorhersehbare Geschichte, die mehr sein wollte als sie ist.

Sprachlich gibt es allerdings nichts zu meckern: Mit detaillierter Sorgfältigkeit schafft es Fitzek wie gewohnt, seine Charaktere greifbar zu machen. Auch wenn es kein Thriller ist, so hält der Autor an seiner Erfolgsformel fest und transportiert diese in seinen „Kein Thriller“-Roman: Die Kapitellänge ist überschaubar und am Ende mit einem Cliffhanger versehen, der zum Weiterblättern animiert und damit die seichte Geschichte unterhaltsam zu Ende bringt.

Fazit

„Der erste letzte Tag“ ist ein gelungener, wenn auch nicht perfekter Versuch des Erfolgsautors Sebastian Fitzek. Seine Expertise liegt in einem anderen Genre – und das ist vollkommen okay. Die kurzweilige Geschichte ist sicherlich nicht das beste Werk, das der Autor jemals geschaffen hat. Dennoch fühlt es sich nach einer sinnvollen Ergänzung zu seinen bisherigen Schöpfungen an. Eingefleischte Fans des Autors riskieren sicherlich einen Blick und all diejenigen, die kurz unterhalten werden möchten, aber nicht allzu anspruchsvoll sind, dürfen ebenfalls zugreifen. Alle anderen warten dann aber doch auf den neuesten Roman – der ist dann auch wieder ein waschechter Thriller.

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