Kurz und knapp: Filmreview Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings ist der zweite (von insgesamt vier) Marvel-Film im Jahr 2021 und setzt die Segel in bisher unbekanntes Terrain: Martial Arts-Kämpfe in einem chinesischen, aber auch mystisch angehauchten Setting. Black Panther ging den Weg im Jahr 2018 zum ersten Mal, konnte mit seiner Vielschichtigkeit beeindrucken und inszenierte einen erinnerungswürdigen Blockbuster mit größtenteils schwarzen Schauspielern. Man darf erneut gespannt sein, ob Marvel erneut einen Erfolg mit einem Film verbuchen kann, der sich in vielen Punkten von der Kost unterscheidet, die man sonst von Marvel vorgesetzt bekommt.

Der Herr der zehn Ringe

Shaun arbeitet in Los Angeles und führt ein relativ normales, unspektakuläres Leben. Eines Tages jedoch wird er zusammen mit seiner Freundin Katy in einem Bus angegriffen, da diese einen verdächtigen Blick auf seinen geheimnisvollen Halsanhänger geworfen haben. Diesen hat Shaun von seiner verstorbenen Mutter erhalten und genau wie bei Shaun steckt hinter dem Anhänger mehr als der erste Blick verrät. Ein spannender Kampf entbrennt und im Anschluss daran entfesselt sich eine spannende Geschichte, welche sich anfangs noch als eine dunkle Untergrundgeschichte präsentiert, im Verlauf des Filmes aber immer mehr mit mystischen Einflüssen vermischt. Dadurch erhält man mit Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings nicht nur einen Film, sondern ein Potpourri aus mehreren, unterschiedlichen Filmen aus dem Genre der Martial Arts-Kampffilme.

©Marvel/Disney

Echte Kampfkunst im CGI-Mantel verhüllt

Die größte Stärke des Filmes sind ganz klar die fantastisch inszenierten Kampfszenen, welche durchweg von den aufwendigen Choreographien profitieren. Die Kämpfe fühlen sich echt an und verzichten dabei größtenteils auf schnelle, vertuschende Schnitte. Man merkt, dass alle Beteiligten sich mit der Kampfkunst auseinandergesetzt haben und fähig sind, die anstrengenden Auseinandersetzungen darzustellen. Eines der Highlights ist sicherlich eine längere Szene auf den Gerüsten eines Hochhauses, welche spektakulär atemberaubende Parkour-Einlagen einbindet. Inszenatorisch ist das alles klasse und kann sich durchaus sehen lassen, allerdings kommt man nicht daran vorbei, dass man die Glaubwürdigkeit solcher Szenen durch bestimmte Faktoren verspielt. Zum einen merkt man, dass ein Großteil der Szenen nur vor einem Greenscreen bzw. LED-Display stattgefunden hat, der zwar Möglichkeiten bietet, die man bei einem Verzicht niemals erreichen würde, den Zuschauer aber dennoch aus der Illusion zieht, weil man es teilweise deutlich erkennen kann. Das ist nichts Neues und findet sich vor allem in vielen Marvel-Filmen der letzten Zeit. Genauso wie das zweite „Problem“ des Filmes: Am Anfang begeistert dieser durch die Bodenständigkeit der Charaktere, vergisst diese allerdings im weiteren Verlauf des Filmes. Die Kämpfe entwickeln sich zu einem Effektgewitter der feinsten Sorte, Fähigkeiten werden binnen kürzester Zeit entwickelt und perfektioniert, für die andere jahrelanges Training in Anspruch nehmen müssten. Unglaubwürdigkeit wird dabei der Nachvollziehbarkeit vorgezogen, alles zugunsten der Action und epischen Gefechten. Auch das ist man als Fan von Superheldenfilmen gewöhnt und wurde dahingehend jahrelang erzogen – die typische Marvel-Formel, welche Geld in die Kassen spült.

Des Weiteren lebt Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings von seinen Nebencharakteren, während der titelgebende Hauptprotagonist Shang-Chi bzw. Shaun schwächelt. Über eine Laufzeit von 132 Minuten wirkt der Charakter stellenweise recht blass gegenüber den vielschichtigen Nebencharakteren, die ihn auf seiner Reise begegnen oder begleiten. Besonders hervorzugeben sind hier seine Schwester Xialing, die bereits bei ihrem ersten Auftritt mehr Substanz und Tiefe mitbringt als ihr Bruder. Aber auch Xu Wenwu, der nicht nur den Bösewicht des Filmes darstellt, sondern auch Vater der beiden, ist ein authentisch ausgearbeiteter Charakter, dessen Beweggründe jederzeit präsent und nachvollziehbar sind. Zudem wird dieser fabelhaft von Tony Leung portraitiert und ist damit einer der besseren Gegenspieler, der nicht nur als abgrundtief böse dargestellt wird, sondern auch Sympathien weckt, obgleich man seine Handlungen verurteilt.

Fazit

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings ist in vielerlei Ansicht eine Überraschung, da der Film Neues versucht und vor allem durch sein größtenteils asiatisches Ensemble zu begeistern weiß. Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass man hier einen Marvel-Film geschaffen hat, der sich bis zu einem gewissen Punkt nicht wie einer anfühlt und zeigt dadurch selbstbewusst, dass auch andere Wege beschritten werden können. Allerdings bleibt man dabei aber auf sicheren Pfaden und folgt der bekannten, erfolgsversprechenden Formel, die aber kaum Risiken eingeht. Übrig bleibt ein unterhaltsames Spektakel, das interessante Charaktere in das Marvel Cinematic Universe einführt und dabei einen Vorgeschmack dessen gibt, was Fans in den nächsten Jahren erwarten dürfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s