Filmreview: Dune (2021)

Dune – das epochale Meisterwerk aus der Feder des Autors Frank Herbert, welches schon mehrfach verfilmt werden sollte und entweder bereits im Vorfeld daran scheiterte oder das Ergebnis letztendlich nicht der Vorlage gerecht wurde. Nun versucht Denis Villeneuve an diesem Mammutprojekt und möchte dabei ganz nebenbei seinen eigenen Kindheitstraum erfüllen.

Villeneuve’s letzter Film Blade Runner 2049 gehört zu einem der besten Sci-Fi-Filmen der letzten Jahre. Arrival war ebenfalls ein Indiz dafür, dass Villeneuve ein Händchen für die Inszenierung von bildgewaltigen Science Fiction-Filmen hat. Doch Dune benötigt ein meisterhaftes Fingerspitzengefühl, welches fast unmöglich erscheint, wenn man sich die Umsetzungsversuche der letzten Jahrzehnte anschaut. Doch das Experiment ist geglückt: Dune (2021) ist ein filmisches Glanzstück der Extraklasse.

Politisch, religiös & aktueller denn je

In Dune (2021) verfolgt man die Geschichte rund um Paul, den Sohn von Herzog Leto Atreides und Lady Jessica und der Erbe von Haus Atreides. Als der Imperator dem machtvollen Haus Atreides den Wüstenplaneten Arrakis übermacht, müssen diese ihren Heimatplaneten verlassen und mit ihrem gesamten Hof umziehen. Doch dahinter verbirgt sich mehr und ist ein politischer Schachzug, um Machtverhältnisse zu regulieren. Arrakis ist zudem ein hart umkämpfter Planet, denn nur auf diesem befindet sich das sogenannte „Spice“, eine machtvolles Gewürz, das als Droge verwendet wird. Es wirkt lebensverlängernd, bewusstseinserweiternd und ermöglicht sogar hellseherische Fähigkeiten und ist ein essentieller Teil der Raumfahrten in der Welt rund um Dune. Gleichzeitig mit dem Umzug auf den Wüstenplaneten entwickelt sich der Verdacht, dass eine jahrtausendelange Prophezeiung eines Auserwählten kurz vor ihrer Enthüllung steht. Hierbei spielt Paul Atreides ebenfalls eine zentrale Rolle. Der Kampf um die Zukunft beginnt.

©Warner Bros.

Stimulant aller Sinne

Mit ruhigen Tönen wird der Zuschauer in eine bestehende Welt eingeführt, verliert sich dabei nicht in unnötigen Erklärungen, sondern vertraut in die Fähigkeit des aufmerksamen Zuschauers, ein Gespür für die Welt und gefestigte Gegebenheiten, aber auch die bestehenden Machtverhältnisse zu erlangen. Villeneuve nimmt den Zuschauer ernst, befeuert ihn nicht mit unnatürlich wirkenden Dialogen und bleibt dabei außergewöhnlich ruhig in seiner Erzählstruktur. In Szenen, in denen es rasanter zugehen muss, baut er dies feinfühlig auf, umgarnt den Zuschauer mit einer nervenaufreibenden Spannung, welche mit den bombastischen Soundtrack von Hans Zimmer gekonnt eine Symbiose eingeht und die Trommelfelle mit unterschiedlicher, aber immer perfekt abgewogenen Intensität massiert. Das Bild ist minimalistisch, alles hat seinen Platz und kein Detail ist unbedeutend. Der Fokus ist immer richtig gesetzt und vor allem in den Nahaufnahmen der Schauspieler zeigt sich die Verliebtheit der kleinen Dinge, die mehr bewirken als Worte jemals ausdrücken könnten. Auch in stillen Momenten zeigt sich auf den Gesichtern aller Charaktere eine Bandbreite an Emotionen, die nicht nur von erstklassiger Schauspielkunst zeugen, sondern auch von der bemerkenswerten Fähigkeit des Regisseurs, solche Feinheiten herauszuarbeiten. 

Das Ensemble der Superlative

Zu den Schauspielern selbst sei gesagt, dass jeder von Ihnen die beste Wahl für die entsprechende Rolle ist. Timothée Chalamet als Paul Atreides besitzt die notwendige, erwachsene Präsenz des Nachfolgers eines Königshauses, aber doch die fehlende Reife und Jugendhaftigkeit, um eine ernstzunehmende Charakterentwicklung zu visualisieren. Oscar Isaac, der seinen Vater darstellt, hat zu jedem Zeitpunkt die notwendige Präsenz, um ein ehrenhafter Herzog, aber auch ein liebender Vater zu sein. An seiner Seite ist Rebecca Ferguson als Lady Jessica, die Konkubine des Herzogs und Mutter von Paul Atreides, welche eine der stärksten Rollen in Dune (2021) darstellt. Sie ist stark und mächtig, aber in sorgvollen Momenten überraschend sensibel, ohne dabei an Eindruck oder Glaubwürdigkeit zu verlieren. Ihre Emotionen und der Ausdruck von diesen tragen den Film in den denkwürdigsten Momenten und gerade sie glänzt meisterhaft darin, in ihrem Gesicht, vor allem in den Augen, mehr zu offenbaren als ein einziges Wort es könnte. Hier alle Feinheiten und die fantastische Darstellung aller Schauspieler zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Dennoch sei als passendes Gegenstück der Helden aus dem Hause Atreides noch der Gegenspieler Wladimir Harkonnen erwähnt, kurz gesagt der Baron. Stellan Skarsgård schafft es, mit wenigen Auftritten eine bedrohliche Präsenz aufzubauen, die ihresgleichen sucht und punktuell genau die richtige Dosis an Grausamkeiten in Worten und Taten einzusetzen, um Schrecken auszulösen.

©Warner Bros.

Doch auch wenn der Film in jeglicher Hinsicht von seiner meisterhaften Inszenierung profitiert, fühlt er sich dennoch nicht gänzlich rund an. Das mag zum einen daran liegen, dass Dune (2021) eben nur „Part One“ ist wie die Einblendung am Anfang des Filmes bereits prognostiziert. Daher hat man ständig das Gefühl, dass hier in vielerlei Hinsicht nur der Grundstein gelegt wird, auf den im zweiten Teil aufgebaut wird. Manche Dinge werden nur angedeutet und in einem Satz abgehandelt, aber deren Ausmaß kann bereits erahnt werden. Gerade das letzte Drittel des Filmes fühlt sich an wie ein langer Prolog für „Part Two“ und hat kurze Momente der Langatmigkeit. Manche Schauspieler, die im Vorfeld bereits auf Plakaten und zu Marketingzwecken gezeigt wurden, haben einen Auftritt von wenigen Minuten und haben im „schlechtesten“ Fall nicht mehr zu tun, als hauptsächlich mystisch in die Kamera zu blicken. Wenn am Ende dann einer der Charaktere sagt „Das ist erst der Anfang“ dann fühlt es sich nach zweieinhalb Stunden Laufzeit des Filmes genau danach an, lässt den Zuschauer aber auch mit einem Gefühl der Leere zurück. Hoffentlich kommt der zweite Teil auch, denn ohne die Vollendung der Geschichte, die von Anfang an in zwei Teile gedacht war, wäre dieser Film nur ein atemberaubender Teaser zu einem Epos mit dessen filmgeschichtliches Potenzial nicht genutzt werden konnte.

Fazit

Dune (2021) ist ein bildgewaltiger sowie atmosphärischer Film, der am besten auf der größtmöglichen Leinwand bestaunt werden sollte. Zusammen mit dem fantastischen Soundtrack, der von Hans Zimmer komponiert wurde, ergibt sich ein Gesamtwerk, dessen einziger Nachteil ist, dass man nicht weiß, ob es jemals einen zweiten Teil geben wird. Also: Rein ins Kino. So oft es geht. Denn Dune (2021) hat eine Größenordnung, wie man sie seit Herr der Ringe nicht mehr auf der Leinwand bestaunen durfte und einen den Atem raubt.

Bewertung:

🍿🍿🍿🍿 von 5 🍿

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