Buchrezension: Kleine Wunder um Mitternacht

In einem japanischen Dorf suchen drei Einbrecher in einem ehemaligen, verlassenen Gemischtwarenladen Unterschlupf. Bis zum Morgengrauen möchten sie diesen als Versteck nutzen und sich im Anschluss daran mit dem erbeuteten Diebesgut aus dem Staub zu machen. Doch dabei bleibt es nicht, denn das Schicksal hat einen anderen Plan für die drei Kleinkriminellen Atsuya, Shota und Kohei.

©Penguin Randomhouse/Limes

Die Ereignisse nehmen ihren Lauf, als urplötzlich ein Brief durch den Briefschlitz der Hintertür des verlassenen Ladens fällt und sofort die volle Aufmerksamkeit der Männer erlangt. Sie stellen fest, dass der Brief an den früheren, längst verstorbenen Besitzer des Gemischtwarenhandels, Herrn Namiya, gerichtet sind und um Ratschlag zu einer schwierigen Lebenslage bittet. Kurzerhand entschließen sie sich, eine Antwort zu verfassen und binnen weniger Momente erhalten sie eine Antwort darauf. Es entfaltet sich eine wundervolle Geschichte, denn bei dem einen Brief soll es letztendlich nicht bleiben. Dieses kleine Wunder und die vielen, die darauf wie selbstverständlich folgen, ziehen mit ihrer vereinnahmenden Magie sofort in den Bann und verzaubern den Leser innerhalb der ersten Seiten.

„Kleine Wunder um Mitternacht“ handelt aber nicht nur von den eingangs erwähnten drei Einbrechern, sondern im Verlauf der Geschichte von mehreren Menschen, die alle ihre eigene Geschichte und ein schweres Schicksal zu tragen haben und sich deshalb an Namiyas Gemischtwarenhandel wenden. Die Anwesenheit von Atsuya, Shota und Kohei an diesem besonderen Ort ist einer von vielen, kleinen Fäden, die in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten perfekt miteinander verknüpft werden. Dabei ist es ein echtes Wunder, wie nahtlos all die verschiedenen Geschichten ineinander verwoben werden und letztendlich ein Gesamtwerk ergeben, das bis zur letzten Seite Magie versprüht. Immer in der richtigen Dosis, zu keiner Zeit zu viel, aber auch nie zu wenig, um sie nicht mehr zu erahnen. Das Ende selbst ist wirklich ein fantastisches Beispiel dafür, wie durchdacht und liebevoll konstruiert der Roman vom Autor behandelt wurde. Ein würdiger Vertreter des magischen Realismus und daher nur jedem ans Herz zu legen, der an diesem Gefallen findet.

Fazit

Kleine Wunder um Mitternacht ist ein zauberhaftes Buch und beweist nur einmal mehr um die kraftvolle Macht der Worte. Es zeigt aber auch, wie selbst die kleinsten Momente oder Entscheidungen große Auswirkungen auf die Zukunft haben, ohne dass wir diese jemals wirklich erfassen könnten. Higashino hat einen gefühlvollen Roman verfasst, der einen so sehr in die Faszination zieht und damit eine der schönsten Varianten, um Realitätsflucht zu begehen.

Bewertung:
📚📚📚📚📚 von 5 📚

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